#sharethefailure Startup Leiberlwerkstatt

Anleitung wie du dein Start-up gegen die Wand fährst. Die wahre Geschichte meiner Unternehmengründung.
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Fuckup Night Wieselburg:

Ich hab schon wieder was Tolles in den Stories der FHWN Wieselburg gesehen. Am 4. Nov. 2021 find dort eine FuckupNight(?) statt. Für mich hört sich das aber eigentlich an wie das Buch „Anleitung zum Unglücklichsein“ von Paul Watzlawik in „cool“ und „business“.

Es geht um Fehlerkultur und die Ansicht, dass wir alle aus Fehlern lernen können. Daher kann man sich dort die Vorgehensweise von gescheiterten Unternehmensgründer*innen anhören, um aus deren Fehlern zu lernen. Ich bin zwar zuversichtlich dort – im Vergleich zu mir – nur Amateur*innen in Sachen Fehler und Scheitern vorzufinden, aber werde dort vorbeischauen, um meine ehemaligen Produkte einem ehemaligen, nachhaltigen Mitbewerber zum upcyceln zu übergeben.

Also was ich eigentlich sagen wollte…hier meine praxiserprobte, für erfolgreich befundene Anleitung wie du nicht nur dein Start-up „Leiberlwerkstatt“ gegen die Wand fährst:

Schritt 1: Die richtige Wissengrundlage bzw. Ausbildung:

Da du in Volks-Haupt-und Haushaltungsschule ganz gut zu sein scheinst, entscheidest du dich für ein Studium. Zwar bist du bühnenuntauglich, nicht teamfähig, schüchtern, in jeder Hinsicht „potschad“, hast Angst vor großen Gruppen, Bühnen, Mikrofonen und Kameras…hast aber gelesen, dass man mit „Marketing und Projektmanagement“ an den Schrauben drehen kann, die die Welt verändern? Cool, da würdest du gern mal eine Runde mitdrehen, wenn auch – bei diesen Voraussetzungen – damals schon ziemlich holprig. Bist du dann deshalb schon ziemlich ausgebrannt am Ende deiner Ausbildung angelangt, kann es auch schon losgehen.

Schritt 2: Die Berufslaufbahn – Job-Rotation:

Du bist jung, nun voller Expertise, Erfahrung und startest voller Motivation, aber erschöpft in deine ersten Führungspositionen? Du leitest deine ersten Arbeitskreise? Dann such dir am besten ein Team aus langjährigen Mitarbeiter*innen und erzähle ihnen in den ersten Arbeitstagen voller Begeisterung, welche wunderbaren Möglichkeiten der Veränderung sie hier haben. Dabei gibt es keine Zeit zu verlieren. Smalltalk, gemeinsame Mittagspausen, oder dergleichen sind nicht produktiv und damit ZEITVERSCHWENDUNG. Außerdem musst du diese Zeit nutzen, um deiner Nikotinsucht nachzugehen. Für den Fall es gibt Kolleg*innen die deinen Enthusiasmus nicht teilen, konzentriere dich ausschließlich darauf, die Anerkennung dieser Personen zu erwerben und blende alle positiven Erfahrungen aus. Sollten Konflikte auftreten, ignoriere sie so lange bis sie deine Arbeit behindern.

Deine Freizeit widmest du deiner zunehmenden Depression, was dich anschließend alle zwei Wochen in den Krankenstand befördert. Wenn es zu spät ist, höre nicht auf hoffnungslos optimistische Chefitäten, die dich halten wollten. Tauche anschließend unter, überlasse alles Weitere dort der Gruppendynamik, bis du alles vergessen bzw. verdrängt hast und flieg zur nächsten Arbeitsblume.

Wiederholung, Widerholung, Wiederholung: Damit du dir das Gefühl des Scheitern auch so richtig gut einprägst, wiederholst du es immer und immer wieder. Übung macht schließlich den*die Unglücks-Meister*in.

Schritt 3: Servicemarkt für Arbeitslose:

Hast du dann deine Branche in den Bundesländern Niederösterreich, Oberösterreich und Wien durch, bleibt dir nur noch übrig, dich wieder einmal beim Servicemarkt für Arbeitslose zu melden. Vor der Vermittlung geht es noch in einen siebenwöchigen Krankenstand mit Krankenhausaufenthalt.

Schritt 4: Krankenhaus:

In deiner Zeit im Krankenhaus liest du in deiner Freizeit von einem Unternehmensgründungsprogramm des Servicemarktes für Arbeitslose, welches Arbeitslosen helfen soll, sich durch die Selbständigkeit in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Toll! Vielleicht passt das ja für dich? Daher verbringst du deine Freizeit damit dort deinen Business-Plan zu schreiben und die weitere Vorgehensweise zu planen.

Schritt 5: Entlassung:

Wirst du dann endlich aus dem Krankenhaus entlassen, bewirbst du dich um dieses Unternehmensgründungsprogramm. Der Servicemarkt für Arbeitslose schickt dich also zu seinem eigens engagierten Unternehmen. Eröffne deinem Betreuer deine Geschäftsidee zu www.mywoid4tl.net (ein soziales Netzwerk für Waldviertler*innen) mit den Worten, dass du damit einen wohltätigen Zweck für die Region verfolgst. Ganz im Gegenteil zu deinem weltweiten Konkurrenten, dessen Unternehmenszweck es war die Verfügbarkeit von Frauen am Heiratsmarkt zu erspähen. Hast du zumindest in einem Film darüber so gesehen…

Untermauere deine Argumentation mit der Tatsache, dass du ein hoffnungsloser Fall für den 9to5 Arbeitsmarkt bist und die Selbständigkeit dein einziger, erdenklicher Ausweg ist, der dir noch übrig bleibt. Somit erfüllst du doch die Voraussetzungen bzw. das Ziel dieses Programms? Abgelehnt. So eine Frechheit. Beschwer dich bei der Geschäftsführung über ihn und geh weiter deines Weges.

Schritt 6: Pitch in 150 Sekunden in Kooperation mit einer Regionalzeitung:

Somit geht es zu deinem ersten „Pitch“, also der Präsentation deiner Idee vor potenziellen Investor*innen. Da du gelernt hast, dass der erste Eindruck zählt: eröffne deine Vorstellung von www.mywoid4t.net mit einer Weltkugel, auf der deine Geschäftsidee eingezeichnet ist und dem Intro-Lied aus Asterix und Obelix. Erkläre ihnen den Zusammenhang: Die ganze Welt wird von den Römern (großem Social Media Netzwerk) eingenommen und beherrscht inkl. Gallien. Ganz Gallien? Nein, ein kleines Dorf (das Waldviertel) nicht und leistet erbittert Widerstandabgelehnt…naja immerhin bist du leider immer noch nicht bühnentauglich bzw. furchtbar schüchtern und nervös.

Schritt 7: Die Politik:

Deine Familie bzw. dein Schwager erkennt das Potenzial deiner Ideen? Begleite ihn zu passenden politischen Akteur*innen, die dir in 150 Sekunden erklären, warum deine Idee für sie uninteressant ist und auch bleibt.

Schritt 8: Unternehmensgründung:

Da du von deiner Idee überzeugt bist, gründe nach vier Monaten Grundversicherung ohne Geldleistung, mit deinem Budget von minus 800 Euro dein Einzelunternehmen. Beende das Projekt nach erfolglosen drei Monaten. Scheint Niemanden zu interessieren. Außerdem hat der Konkurrent anscheinend mehr Geld für Marketing.

Schritt 9: Such dir ein neues Geschäftsmodell:

Wie das geht weißt du ja bereits. Zwar heißt du an deinem Produkt nicht alles gut, weißt aber nach 30 Jahren Waldviertel-Feldforschung, dass dieses noch erfolglose Podukt in einem eigens für die Waldviertler*innen eingerichteten Marktplatz Anklang finden würde. Da du sowieso arbeitslos und verzweifelt bist, baust du darauf deine zukünftige Existenzgrundlage.

Schritt 10: Schließe dein Einzelunternehmen Leiberlwerkstatt:

Wie das phänomenal über Nacht geht, weißt du jetzt auch…und spende deinen Restbestand an Produkten an einen ehemaligen Mitbewerber zum upcyceln. So nennt man das, wenn man Abfallprodukte zu neuwertigen Produkten verarbeitet.

Schritt 11: Geh in den Ruhestand:

Da dir nun endgültig der Saft ausgeht, stelle einen Antrag auf Ruhestand und warte, dass dieser Antrag ab November bearbeitet wird. Leider gilt dieser Antrag in Österreich erst als Antrag auf Rehabilitation. Ist das nun gut oder schlecht? Leider hast du gelesen, dass rund 90% der Leistungsempfänger*innen wieder beim Servicemarkt für Arbeitslose landen…naja mal sehen was jetzt rauskommt.

Bis dahin verbringst du deine Zeit mit deinem neuen Hobby www.leben2karina.com und übergibst das Zepter im Leiberl Geschäft an jemanden, mit viel Freude daran.

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